Zementwerk setzt auf Klärschlamm

Betreiber schließen Geruchsbelästigung aus

Rohrdorf – Das Zementwerk Rohrdorf will künftig Schlamm aus kommunalen Kläranlagen in der Region und den angrenzenden Landkreisen verbrennen. Mit einem geschlossenen System sowie laufenden Kontrollen des eingesetzten Materials und der Abgaswerte wollen die Betreiber dabei Geruchsbelästigungen ausschließen.

Bis zu 3.000 Tonnen Trockensubstanz im Jahr sollen demnach in Rohrdorf als Sekundärbrennstoff verfeuert werden. Täglich werden dann etwa zwei Lkw-Ladungen Klärschlamm in Containern oder per Kippsattelauflieger zu dem im Fels eingebauten Bunker angeliefert. Dessen Fassungsvermögen ist mit 140 Kubikmetern so ausgelegt, dass verlängerte Wochenenden wie beispielsweise die Osterfeiertage überbrückt werden können. „Ansonsten wird hier kein Klärschlamm gelagert.“, betonten sowohl der technische Leiter Anton Bartinger als auch Geschäftsführer Mike Edelmann bei der Präsentation des Projekts im Rohrdorfer Gemeinderat. Eine Unterdruck-Atmosphäre im Abkippbunker verhindert, dass üble Gerüche nach draußen entweichen; die abgesaugte Luft sowie jegliches Restwasser wandern ebenfalls in den Drehrohrofen. Und während der Winterrevision werde der Bunker leergefahren und gereinigt.

Nach dem erfolgreichen Probebetrieb im Jahr 2012 und der Genehmigung nach der 17. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) will das Zementwerk jetzt Nägel mit Köpfen machen und bekam vom Gemeinderat grünes Licht für sein Vorhaben. In seinem einstimmigen Beschluss verwies das Gremium aber ausdrücklich darauf, dass dies keinerlei nachteilige Umweltauswirkungen haben dürfe und forderte laufende Überwachungen.

Derzeit setzt das Zementwerk Rohrdorf bei der Klinkererzeugung zu rund 80 Prozent auf Ersatzbrennstoffe wie Dachpappe, Tetrapack-Reste und Reifen; der Rest der benötigten Energie wird aus Steinkohle gewonnen. Der Anteil des Klärschlamms am gesamten Brennstoff werde drei bis fünf Prozent betragen, so Bartinger weiter. Wobei Bestandteile wie Tenside oder Mikroplastik-Partikel aus Kosmetika und Zahnpasta, die zu über 95 Prozent aus Kohlen-, Wasser- und Sauerstoff bestehen, sich bestens für die Verwertung im Zementwerk eigneten.

Etwa zwei Millionen Tonnen Klärschlamm (in trockener Form) fallen jährlich in Deutschland an. Gut die Hälfte davon wird thermisch verwertet, 29 Prozent werden in der Landwirtschaft ausgebracht, und 17 Prozent wandern auf die Deponie. So werde beispielsweise Schlamm, der in der Kläranlage Bockau anfällt, per Lkw bis nach Thüringen transportiert, ergänzte Bürgermeister Christian Praxl.

pil