Zeitreise in die „Heimat 1914“

Museumsnetzwerk Rosenheim bringt Gemeinschaftsausstellung in 14 Einrichtungen auf den Weg

Landkreis – Genau ein Jahrhundert liegt er zurück, der Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Und er brachte nicht nur für jene, die schon bald als Soldaten an der Front kämpfen sollten, einschneidende Veränderungen mit sich. Auch für die Daheimgebliebenen war vieles nicht mehr so wie vorher. Nach der anfänglichen Euphorie bestimmten schnell Not, Entbehrung, Trennung und Verlust das tägliche Leben.

Wie sah der Alltag vor 100 Jahren im Rosenheimer Land aus? Wie wurde gelebt, wie wurde gearbeitet? Zu dieser spannenden Zeitreise in die „Heimat 1914“ lädt das Museumsnetzwerk Rosenheim vom 18. Mai bis zum 26. Oktober ein. Insgesamt 14 Museen und kulturelle Einrichtungen zwischen Amerang und Oberaudorf, zwischen Bad Aibling und Frasdorf, vom Ufer der Mangfall bis hinauf zur Hochries, beleuchten jene Wochen und Monate aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln.

Das Museumsnetzwerk Rosenheim, ein Zusammenschluss von Einrichtungen aus der Museumslandschaft in und um Rosenheim, wurde bereits in den Jahren 2012 und 2013 in einem aus EU-Mitteln geförderten Leader-Projekt der LAG Mangfalltal-Inntal geknüpft. Nach einer ersten Bestandsaufnahme haben die beteiligten Einrichtungen Schwerpunkte für künftige Aktivitäten erarbeitet und Ziele entwickelt, die in der kommenden LAG-Förderperiode mit möglichst allen Museen in der Region umgesetzt werden sollen. Als Pilotprojekt für die künftige landkreisweite Zusammenarbeit hat ein Arbeitskreis nun die Gemeinschaftsausstellung „Heimat 1914“ initiiert.

„Ein großes Anliegen aller Netzwerkpartner ist es, die kulturellen Einrichtungen in der Region zu stärken. Zugleich wollen wir die Vielfalt unserer Museumslandschaft verstärkt ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken.“, verdeutlicht die Kunsthistorikerin und Volkskundlerin Michaela Firmkäs aus Nußdorf, bei der die Fäden für das Gemeinschaftsprojekt zusammenlaufen.Jeder Teilnehmer hat dabei das Ende der vielzitierten „guten alten Zeit“ auf seine eigene Art und Weise thematisch aufbereitet und mit aussagekräftigen Exponaten illustriert. Auf diese Weise wirft jedes Museum, jede Einrichtung, ihr ganz eigenes Schlaglicht auf ein Jahr, das nicht nur Deutschland in eine beispiellose Katastrophe führen sollte:

So dokumentiert das Hochzeitsbild von Josef und Maria Schlaipfer im Bauernhausmuseum Amerang exemplarisch das Schicksal eines frischvermählten Paares, wie es Tausende getroffen haben mag: Der Ehemann zieht nur wenige Monate nach der Trauung an die Westfront.

Nägel für die Kriegskasse. Auch in Bad Aibling beteiligte sich die Bevölkerung an dieser Aktion.

Nägel für die Kriegskasse. Auch in Bad Aibling beteiligte sich die Bevölkerung an dieser Aktion.

Wie die Reichsführung die Kriegskassen auffüllte, zeigt das Heimatmuseum Bad Aibling anhand von Kriegspostkarten des Malers Byrnolf Wennerberg. Das Benageln des Eisernen Kreuzes stand damals vielerorten hoch im Kurs.

Mit „großem Bahnhof“ wurde das Dampfross im Achental begrüßt. Die Feierlichkeiten anlässlich der Eröffnung der Bahnlinie ebenso wie die jahrelange Planungs- und Bauphase ruft das Höhlen- und Heimatmuseum Frasdorf in Erinnerung. Im September 1970 ging mit dem Aus für die Lokalbahn dieses Stück Eisenbahngeschichte schließlich zu Ende.

Das Heimat- und Industriemuseum Kolbermoor befasst sich mit den seinerzeit aktuellen Massenmedien. Für Behörden, etwa für Gemeindeverwaltungen, stellte insbesondere das Amtsblatt ein unverzichtbares Informationsmittel dar; auf diesem Wege wurden die Bürger auch über die sich überstürzenden Ereignisse im Jahr 1914 unterrichtet.

Der Produktion kriegswichtiger Güter und den zunehmenden Engpässen bei der Beschaffung von Rohstoffen widmen sich die Schautafeln der Industriepfade Mangfalltal Kolbermoor. In der Baumwollspinnerei wurden aus der Not heraus sogar Versuche angestellt, aus Torffasern Garn zu spinnen – wenngleich ohne Erfolg.

Geschichte im Postkartenformat erwartet zusätzlich die Besucher des Nußdorfer Mühlenwegs. Zwei Nachrichten hatte Herr Leutfelder 1915 seinem Freund Peter Moser an die Front geschickt; diese kamen 1918 im Gepäck des Heimkehrers zurück in das Dorf im Inntal. Zudem sind Originalwerkzeuge des Maurers Peter Moser in der Dorfstraße 10 zu besichtigen.

Mit Dokumenten und Fotos vom Ortbäck, Herbergsvater und Heimatforscher Joseph Obermayer lässt das Museum im Burgtor Oberaudorf jene längst vergessene Zeit wieder lebendig werden. In dem Ort hatten damals – mangels Kaserne – auch Soldaten auf Ausbildung Quartier bezogen.

Den Aufbruch in die Moderne hat sich das Achentaler Heimathaus Rohrdorf zum Thema gemacht. Dazu gehörte die Lokalbahn, der Bau eines großen Schulhauses und die Versorgung der Bürger mit Elektrizität ebenso wie der Bau einer Pulverfabrik in Thansau.

In der Hochrunstfilze mussten Kriegsgefangene die Arbeit der einheimischen Torfstecher verrichten, weil diese zum Kriegsdienst herangezogen worden waren. Eine Fotoschau am „Grünen Klassenzimmer“ an der Moorstation Nicklheim gibt Einblick in die Lebensumstände im dortigen Gefangenenlager.

Hoch droben auf dem Berg: Ein Streifzug durch 100 Jahre Hochrieshütte.

Hoch droben auf dem Berg: Ein Streifzug durch 100 Jahre Hochrieshütte.

Zu einem Streifzug durch die vergangenen zehn Jahrzehnte lädt die DAV-Hochrieshütte ein. Ganz aus Holz war sie gebaut und mit vier Eisenstangen im Fels verankert, damit sie der Sturm nicht über den steilen Nordhang hinunterbläst – so lesen sich die Anfänge des „Bergheims“ auf dem Gipfel des Rosenheimer Hausbergs, das heute zu den beliebtesten Ausflugszielen in der Region zählt.

Es war unüberhörbar: Ein neuer Ton bestimmte fortan die Musik. Die beliebten Promenadenkonzerte des Rosenheimer Stadtkapellmeisters Franz Xaver Berr junior bekamen zunehmend Konkurrenz von den Standkonzerten der Militärkapellen. Eine kriegsbedingte Entwicklung, die das Holztechnische Museum Rosenheim nachzeichnet.

Mit Beiträgen aus lokalen Zeitungen sowie Exponaten aus dem Bild- und Postkartenbestand greift das Stadtarchiv Rosenheim die wechselhafte Stimmung in der Stadtbevölkerung während dieser schicksalhaften Augusttage auf. Wie andernorts auch schwebte man in Rosenheim zwischen Kriegsangst und Vaterlandsliebe.

 

Ins Feld statt aufs Fest: Steinerne Zeitzeugen erzählen.

Ins Feld statt aufs Fest: Steinerne Zeitzeugen erzählen.

Zwei steinerne Zeitzeugen melden sich im Städtischen Museum Rosenheim zu Wort. Die eigens fürs Volksfest 1914 entworfenen Keferloher von Auerbräu waren schon fertig. Jedoch sollte niemand mehr sein Märzenbier aus diesen Krügen trinken. Denn am 17. August wurde das Fest auf der Loretowiese abgesagt.

An die 1830 gegründete Pulverfabrik im Simstal, den ersten Industriebetrieb in der Gemeinde, erinnert das Gemeindemuseum im Alten Rathaus Stephanskirchen. Während des Ersten Weltkriegs stieg die Produktion dort stark an; ein weiterer Standort in Thansau wurde eröffnet.

Die einzelnen Sequenzen wurden mit viel Enthusiasmus und Freude gestaltet.“, freut sich Ortsheimatpflegerin Michaela Firmkäs über das große Engagement aller Beteiligten. Und geht es nach ihr, ist auch eine Fortsetzung der Gemeinschaftsausstellung durchaus denkbar – etwa unter dem Titel „Heimat 1915“….

Weitere Informationen zur Ausstellung sowie Daten für Geocache-Freunde gibt’s im Internet unter www.museumsnetzwerk-rosenheim.de.