Wegbereiter an den Berufsschulen

BIJ  eröffnet Jugendlichen neue Perspektiven – Sozialpädagogische Begleitung durch den Verein „Pro Arbeit“

Rosenheim – Schule, Abschluss, Ausbildung – Diesen geradlinigen Weg ins Berufsleben können nicht alle Jugendlichen beschreiten. Viele stehen nach der Hauptschule ohne jegliche Vorstellung von ihrem künftigen (Berufs-)Leben da. Gewissermaßen als Wegbereiter eröffnet das Berufsintegrationsjahr (BIJ) seit 2009 an den Staatlichen Berufsschulen in Rosenheim und Bad Aibling diesen jungen Menschen neue Perspektiven. Eine zentrale Rolle in den derzeit vier BIJ-Klassen spielt, neben der Vermittlung von Schulstoff, die sozialpädagogische Begleitung durch den Verein „Pro Arbeit“ unter anderem bei der Suche nach Praktikums- und Ausbildungsplätzen.

Rund 130 Jugendliche, viele von ihnen mit ausländischen Wurzeln, konnten dank der Vollzeitmaßnahme, die vom Landkreis Rosenheim und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds finanziert wird, im Laufe der vergangenen fünf Jahre eine betriebliche Ausbildung beginnen. 24 haben inzwischen ihre Lehre erfolgreich beendet, bei über 100 steht der Abschluss in den kommenden Jahren bevor.

Die Absolventen arbeiten nun als Maler, Bäcker, Kinderpflegerin, pharmazeutische-kaufmännische Angestellte, medizinische Fachangestellte – oder, wie Chiara Bauer, als Friseurin. Ihr Praktikum im Salon von Klaus Rienäcker mündete in eine Ausbildung, die sie im August abgeschlossen hat. „Ohne Pro Arbeit hätte ich wohl keine Lehrstelle gefunden.“, ist die frischgebackene Gesellin noch heute für die Unterstützung während des BIJ dankbar.

Auch für Elif Yakar bot sich mit dem BIJ nach der Hauptschule eine echte Chance: „Hier hatte ich die Möglichkeit, etwas auszuprobieren.“ Die junge Frau, die sich früher vor dem Umgang mit unverpackten Lebensmitteln gescheut hatte, steht jetzt, dank ihres Praktikums beim Rewe-Markt in der Hofmillerstraße, kurz vor der Abschlussprüfung zur Kauffrau im Lebensmitteleinzelhandel; und einer Übernahme steht aus Sicht von Marktmanager Klaus Michalke nichts im Weg.

Das BIJ bietet den 15- bis 18jährigen, die zum Teil schon nach der achten Klasse von der Hauptschule abgehen mussten, nicht nur die Möglichkeit, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern, die Berufsschulpflicht binnen eines Jahres zu erfüllen und den Hauptschulabschluss nachzuholen. Zusätzlich können die Jugendlichen hier in verschiedene Berufe hineinschnuppern, können ihre Stärken und Schwächen erkunden und – für so manchen Neuland – sich an einen geregelten Tagesablauf gewöhnen. Sozialpädagogen wie Sandra Pawel an der Berufsschule Bad Aibling greifen ihnen beim Zusammenstellen der Bewerbungsmappen unter die Arme, stehen ihnen in Krisensituationen zur Seite, organisieren Praktika und halten engen Kontakt zu den Betrieben sowie zur Agentur für Arbeit. Wobei Pawel und ihre Kolleginnen stets Hand in Hand mit den Berufsschullehrern arbeiten. „Ohne das ging’s gar nicht.“, betont sie. Und der Erfolg gibt ihnen recht: Am Ende des BIJ haben erfahrungsgemäß zwei Drittel der Teilnehmer eine Ausbildungsstelle beziehungsweise einen Platz in einer weiterführenden Maßnahme gefunden.

Eine Win-Win-Situation also. Denn dank der vorgeschalteten Praktika kennen die Jugendlichen schon zu Beginn ihrer Ausbildung die Arbeitsläufe und sind vom ersten Tag an integriert, wissen der Friseurmeister Klaus Rienäcker und Marktmanager Klaus Michalke die Vorteile zu schätzen, die das BIJ für die Betriebe bei ihrer Suche nach geeigneten Nachwuchskräften mit sich bringt. Und dass sich selbst zunächst ungeeignete Kandidaten im Laufe der Zeit durchaus mausern können, hat Peter Troffer, Lagerleiter bei SwissCaps in Bad Aibling, erst wieder bei einem jungen Burschen erlebt – und der vormalige Praktikant nun einen Ausbildungsplatz zur Fachkraft für Lagerlogistik.

Weitere Informationen über das Berufsintegrationsjahr gibt’s im Internet unter www.berufsschulen-landkreis-rosenheim.de.

Marisa Pilger