Vom Herrchen und seinem Schweinehund

Freiherr Marco von Münchhausen über „Strategien effektiver Selbstmotivation“

von Marisa Pilger

Rosenheim – Er lauert immer und überall, greift gerne tief in die Trickkiste, und am liebsten futtert er gute Vorsätze. Des Menschen treuesten Wegbegleiter, den eigenen inneren Schweinehund, nun aber mit Stumpf und Stil ausrotten zu wollen, hätte fatale Folgen, meint Dr. Marco Freiherr von Münchhausen. „Schließlich ist er ein Teil Ihrer Persönlichkeit.“ Gleichwohl gehöre er an die lange Leine genommen, damit der Speicher tatsächlich am Wochenende entrümpelt wird, die geplante Diät nicht schon am zweiten Tag wieder vom Tisch ist und die Steuererklärung fristgerecht beim Finanzamt eingeht.

Unter der Überschrift „Strategien effektiver Selbstmotivation“ zeigte der Persönlichkeitstrainer und Bestsellerautor deshalb beim 3. Unternehmertag der Rosenheimer Wirtschaftsjunioren mit viel Witz und einem Schuss Selbstironie gangbare Wege für die Zähmung dieses „interessanten Wettkampfgegners“ auf, für den die ersten Januarwochen ein wahres Festival darstellen und der mit Vorliebe „vor Fitnesstudios Spalier steht“.

In einem unterhaltsamen Vortrag brachte Dr. Marco Freiherr von Münchhausen seinen Zuhörern beim Unternehmertag der Wirtschaftsjunioren Rosenheim „Strategien effektiver Selbstmotivation“ näher.

In einem unterhaltsamen Vortrag brachte Dr. Marco Freiherr von Münchhausen seinen Zuhörern beim Unternehmertag der Wirtschaftsjunioren Rosenheim „Strategien effektiver Selbstmotivation“ näher. Foto: pil

Endlich abnehmen, das Rauchen aufgeben, ein unangenehmes Telefonat erledigen, mal wieder einen Tanzkurs machen oder mit dem Rad anstatt mit dem Auto ins Büro fahren – wo gute Vorsätze sprießen, ist auch der innere Schweinehund nicht weit. Vor allem, wenn es darum geht, mit alten Gewohnheiten aufzuräumen, trete der „tierische“ Saboteur flugs in Aktion und serviere verlockende Ausreden, führte der promovierte Jurist (Jahrgang 1956) auf Einladung der Wirtschaftsjunioren, der IHK-Geschäftsstelle und der Hochschule seinen Zuhörern im vollbesetzten Audimax vor Augen. „Je intelligenter der Mensch, umso raffinierter die Ausreden seines Schweinehundes.“, warnte er. Und schon würden wichtige Entscheidung endlos aufgeschoben oder Veränderungen gar nicht erst in Angriff genommen – kurz, der gute Vorsatz über Bord geworfen.

Um jedoch seinem Gegenspieler erfolgreich Paroli bieten zu können, müsse man sich zunächst seine eigenen Schwachstellen bewusst machen und dürfe dabei auch seine Stärken nicht vergessen, konstatierte der Träger des Conga Award 2007 und 2010. Er riet den rund 300 Unternehmern und Führungskräften, immer nur eine neue Sache anzugehen und sich das selbst gesteckte Ziel möglichst präzise und bildhaft vor Augen zu führen.

Ebenso gab er dem Auditorium drei an sich simple Wettkampf-Regeln mit auf den Weg. Erstens: „Schweinehunde-Angelegenheiten haben Vorfahrt“; nicht die Mails, die angeblich erst noch abgearbeitet werden müssen, oder die Telefonate, oder… Zweitens: „Den Anfang so leicht wie möglich machen“; also nicht als Dauerlauf-Neuling mit der Zehn-Kilometer-Distanz beginnen. Und drittens: „Keine Ausnahmen in der Anfangsphase“; denn auch der Widersacher liege nicht auf der faulen Haut und ziehe nur zu gerne seinen Trumpf, den Schweinehund-Dreisatz, aus dem Ärmel, der da lautet: „Ausfallen lassen. Schleifen lassen. Sein lassen.“ Erst nach sechs bis acht Wochen sei eine neue, täglich wiederkehrende Aktivität fest im Tagesgeschehen verankert; bei einer sich wöchentlich wiederholenden Tätigkeit dauere dies etwa ein halbes Jahr. Die Kunst sei, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen persönlichen Fähigkeiten und Herausforderung zu finden. So werde man sich weder über- noch unterfordern; „und wenn’s gut tut, macht auch der innere Schweinehund mit“.

Der habe durchaus auch seine guten Seiten, gab von Münchhausen außerdem zu Bedenken. Schließlich bewahre er sein „Herrchen“ davor, sich kontinuierlich zu überarbeiten. Nur einlassen müsse man sich auf diese „inneren Boxenstopps“, auf das „Chillen“, wie es von Münchhausens Teenager-Tochter so gerne bezeichne. „Sich immer wieder neu fordern, ohne sich dabei zu überfordern“, lautet denn auch sein Credo für ein friedliches Miteinander von Mensch und „Tier“.

Über seinen Weg vom Straßenfußballer zum Weltstar plauderte im Anschluss Jean-Marie Pfaff, Welttorhüter des Jahres 1987. Der Belgier, der von Beginn an „die Nummer eins werden und bleiben“ wollte, stammt aus ärmlichen Verhältnissen und feierte seine größten Club-Erfolge mit dem FC Bayern. „Ich war immer gut vorbereitet und motiviert.“, präsentierte der 58jährige sein Erfolgsrezept. Doch Talent allein genüge nicht, ergänzte er. „Vor allem Kinder brauchen Unterstützung und gute Vorbilder.“