„Einfach menschlich“ – Die Sucht kommt auf leisen Sohlen daher

Eine etwas andere Präventionsausstellung gastiert in der Hochschule Rosenheim

von Marisa Pilger

Rosenheim – „Ist doch alles Scheiße!“ Michael G. (17) ist total genervt. Von der Schule, von den Lehrern, von seinen Eltern. Und dazu die Atmosphäre zu Hause! Freudlos, dumpf, beinahe wie tot. Der Vater arbeitet ständig, ist immer öfter gereizt oder aggressiv. Ansonsten sitzt er vor der Glotze und trinkt ein Bier nach dem anderen. Die Mutter daneben. Michael erwartet aber etwas anderes vom Leben, er will Spaß haben, gut drauf sein. Also wird am Wochenende gefeiert, gekifft und gesoffen. Dass er in der Schule absackt, ist ihm eigentlich egal, er hat sowieso keinen Bock mehr. – Und so wie sein Vater will er eh‘ nicht werden…

Michael ist in diesem Fall zwar nur ein lebensgroßer blauer Figurenaufsteller; doch seine kleine Geschichte auf dem weißen Blatt Papier spricht Bände. Und sie gibt Raum zum Nachdenken; etwa darüber, wo Sucht beginnt.

An anderer Stelle des Rundgangs driften die Besucher durch fließende weiße Stoffbahnen – am Grundsatz des Paracelsus vorbei, der bereits im 16. Jahrhundert erkannt hatte: „Allein die Menge macht das Gift.“ – ganz arglos vom Genuss zur Sucht hinüber. Die Früherkennung ist denn auch eines der zentralen Themen der Ausstellung „Einfach menschlich“, die noch bis Freitag, 26. Oktober, im R-Bau der Hochschule Rosenheim zu sehen ist.

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