Student mit 17 – (Noch) eine Ausnahme

Bislang zwei Minderjährige an der Hochschule Rosenheim – Ohne Unterschrift der Erziehungsberechtigten keine Immatrikulation

Rosenheim – Das Abitur hat er schon seit ein paar Monaten in der Tasche und studiert mittlerweile Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Rosenheim. Trotzdem muss seine Mutter noch für vieles parat stehen, etwa wenn’s um Unterschriften geht oder um den täglichen „Shuttle-Service“ zum Bahnhof in Ramerberg. Denn Michael Schmid aus Zellerreit ist erst 17, also noch nicht voll geschäftsfähig; und allein ans Steuer eines Autos darf der Student ebenso wenig.

Unter den rund 4800 Studenten an der Rosenheimer Hochschule sind Minderjährige derweil noch die Ausnahme: Gerade einmal zwei 17jährige waren hier zu Beginn des laufenden Wintersemesters eingeschrieben, hat Regine Falk, sie ist zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Hochschule, beim Durchforsten der Datenbanken festgestellt. Doch mit dem G8 werde sich dieser Anteil in den kommenden Jahren wohl erhöhen; zumal die jungen Männer auch keinen Wehrdienst mehr leisten müssen. Bislang jedoch, gibt sie zu Bedenken, hätten die Fachhochschul-Studenten oft schon eine praktische Ausbildung oder einen anderen Job hinter sich und damit bei der Einschreibung die Grenze zur Volljährigkeit längst überschritten.

Viermal in der Woche pendelt Michael Schmid mit dem Zug für Vorlesungen und Seminare nach Rosenheim. Das Begleitete Fahren wäre für den Jugendlichen dabei keine Alternative; denn er bräuchte ja für jeden Kilometer einen Kopiloten. Ansonsten hat den angehenden Betriebswirtschaftler sein Benjamin-Dasein noch nie sonderlich gestört. Er ist daran gewöhnt der Jüngste zu sein, seit er die zweite Klasse übersprungen hat; und nun studiert er eben als 17jähriger unter lauter Volljährigen, die zum Teil erheblich älter sind als er.

Dass es mit dem begehrten Studienplatz in München nicht geklappt hat und ihr Sprössling deshalb vorerst noch zu Hause wohnt, ist seiner Mutter Sabine Schmid dabei eigentlich ganz recht. „Schließlich habe ich noch die Aufsichtspflicht.“ Nicht einmal den Mietvertrag für seine Studentenbude hätte ihr Sohn unterschreiben dürfen. Beim Umschreiben der Krankenversicherung wusste keiner so recht, wer den Antrag unterzeichnen muss. Und für die Abiturfahrt musste die selbständige Immobilienmaklerin als Erziehungsberechtigte eine schriftliche Einverständniserklärung beim Reiseveranstalter abgeben.

Auch den Studenten-Status gibt’s für Minderjährige nur mit dem OK der Eltern; ganz gleich, ob die Immatrikulation schriftlich oder online erfolgt. „Ohne die Unterschrift der Erziehungsberechtigten geht’s nicht.“, erklärt Hochschulsprecherin Regine Falk, womit dann auch die Teilnahme an „studienrelevanten Veranstaltungen“, sprich Exkursionen, abgedeckt sei.

Der Studienanfänger selbst sieht die ganze Sache mit der Noch-nicht-Volljährigkeit indes recht gelassen. Ausgehen und feiern könne man auch mit 17, grinst er; Berührungsängste mit Älteren kenne er nicht, und für seine Kommilitonen spiele sein Alter sowieso keine Rolle. Lediglich die Fahrerei sei etwas lästig und umständlich.

Warum er seinen 18. Geburtstag im Februar aber doch herbeisehnt, hat vor allem einen Grund: „Ich würde wahnsinnig gerne mal mitfahren nach München in die Diskos!“ Doch dort werden die Ausweise besonders streng kontrolliert.

pil