Rohrdorf hat das Zeug zur Metropole

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Gelungener Krönungsball in „New York City“ – und ein paar Seitenhiebe auf die Nachbarn

von Marisa Pilger

Rohrdorf – Dass auch ein 5500-Seelen-Dorf durchaus das Zeug zur Metropole haben kann, bewies die Rohrdorfer Faschingsgesellschaft (RFG) mit ihrem rundum gelungenen Inthronisationsball im Turner Hölzl. Vor der imposanten Kulisse der Brooklyn Bridge bescherte sie den rund 350 Besuchern eine Ballnacht, die hielt, was das diesjährige Motto versprach: „New York City live“.

Machten nicht nur beim Showtanz eine gute Figur: Das Rohrdorfer Prinzenpaar Katharina I. und Josef II.

Machten nicht nur beim Showtanz eine gute Figur: Das Rohrdorfer Prinzenpaar Katharina I. und Josef II.

Souverän nahm Bürgermeister Christian Praxl im Schatten der Freiheitsstatue seine vorübergehende Entmachtung hin, händigte widerstandslos Rathausschlüssel samt Gemeindekasse an die neuen Herrschaften aus und wünschte ihnen „good luck“. Hofft das bis dato amtierende Gemeindeoberhaupt doch, dass Prinzessin Katharina I. (Unterseher), Sunshine Lady aus Downtown Stetten, und Prinz Josef II. (Gaßbichler), Schwungvoller Held der Thalham Bronx, gemeinsam mit ihrem Hofstaat in den kommenden Wochen neues Leben in den Ort bringen; denn der mute seit dem Abzug der Cowboys vor drei Jahren wie eine verlassene Goldgräberstadt an. Keinen Kramerladen gibt’s seit der „Geisler-nahme“ mehr; der Medizinmann hat die Apotheke zugesperrt; ja, selbst im Saloon sind die Lichter ausgegangen. Vom Verbleib der Cowboys indes wusste der Bürgermeister nur soviel zu berichten: Auf ihrem Weg zum nächsten Fluss wollten sie in Neubeuern Zwischenstation machen – fanden dort jedoch keine Bäume mehr, um ihre Rösser daran anzubinden.

Aber zurück ins oberbayerische New York des Jahres 2013, wo die neuen Machthaber mit kleineren Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen hatten. Zunächst musste sich Franz Steiner – er kam mit Baseball-Cap und Kapuzenjacke auf einem Skateboard zum Ort des Geschehens geflitzt – in Hofmarschall-Schale, sprich Frack und Zylinder, werfen, um in amüsant-launiger Manier die Moderation des Abends zu übernehmen. Dann war vorübergehend RFG-Vizepräsident Richard Koll unauffindbar. Der schälte sich später ebenso wie die 13 Gardemädchen aus den unergründlichen Tiefen eines zum Yellow Cab umgemünzten VW Polo.

Dass die Faschings-Truppe in den kommenden Wochen dennoch Leben in die Bude bringen wird, bewiesen Prinzenpaar, Garde und Minister gleichermaßen. Der fetzige Marsch der Gardemädchen mit ihren weißen Zylindern, glitzernden Tops und golden schimmernden Röcken sorgte gleich zu Beginn des ebenso abwechslungsreichen wie unterhaltsamen Tanz-Programms für Stimmung inmitten einer umlaufenden Wolkenkratzer-Skyline. Anmut im Dreivierteltakt, gepaart mit herrlichen Hebefiguren, bestimmte anschließend den Prinzenwalzer; mit Leichtigkeit wirbelte der frischgebackene Regent seine zierliche Partnerin im duftigen hellgrünen Kleid (es stammt ebenso wie die anderen Kostüme aus dem Atelier von Schneidermeisterin Andrea Schneebichler) übers Parkett.

    Feuerprobe mit Bravour bestanden: Die Garde legte im Showteil einen fetzigen Auftritt hin.

Feuerprobe mit Bravour bestanden: Die Garde legte im Showteil einen fetzigen Auftritt hin.

 

Viel Ausdauer verlangte den Majestäten der temporeiche Showblock mit den zahlreichen akrobatischen Elementen ab, in dem auch die Garde unter dem Kommando von Majorin Elisabeth Fischbacher erneut zu Hochform auflief. Ohrwürmer wie „One Singular Sensation“ aus dem Broadway-Musical „A Chorus Line“, Frank Sinatras „It’s up to you, New York“, „Big Spender“ oder der Udo-Jürgens-Hit „Ich war noch niemals in New York“ lieferten das akustische Rahmenprogramm für die Tanzeinlagen, die dank der Technik in ein ganz besonderes Licht gerückt wurden. Das Publikum, darunter Abordnungen der Gilden aus Neubeuern, Prutting und Vagen, dankte es mit lange anhaltendem Applaus und erklatschte sich Zugabe um Zugabe.

Selbst an Ratschlägen für eine erfolgreiche Regentschaft mangelte es nicht. So hatte Konrad Stuffer von der Neubeurer Gilde nicht nur „a bärig Blumenstrauß“ im Gepäck, sondern auch ein in seiner Heimat erprobtes Gute-Laune-Rezept: „If you want to have a big gaudi, take die kettensäge….“

Die Minister rockten die Halle mit ihrer Mitternachtsshow.

Die Minister rockten die Halle mit ihrer Mitternachtsshow.

Den offiziellen Schlusspunkt dieses schwungvollen Abends aber setzte – last but not least – die Ministerriege mit ihrer Interpretation des „Time Warp“ aus der legendären „Rocky Horror Picture Show“ und trieb mit gekonnten Hüftschwüngen und Breakdance-Einlagen vor allem den weiblichen Teil der Zuschauer zu wahren Begeisterungsschreien.

Und wer nach Inthronisationszeremoniell, Ordensverleihung, Tanzdarbietungen und Tanzbeinschwingen zu den Klängen der Band „Radio Beats“ immer noch nicht genug hatte, den verschlug es zu guter Letzt in die Bronx – zu einem Absacker als krönendem Abschluss des Faschingsauftakts im Big Apple am Inn.

Der nächsten Termine dort stehen für die RFG-Mannschaft unter Präsidentin Alexandra Stiller bereits vor der Tür: Am Samstag, 19. Januar, folgt der Gildeball; und am Sonntag, 3. Februar, nimmt der Faschingszug Aufstellung.