Zeitreise an die „Orte der Jugend“

Museumsnetzwerk Rosenheim bringt zweite Gemeinschaftsausstellung auf den Weg – Auftaktveranstaltung am 7. Mai

Landkreis – Für die einen war es der Badesee, für die anderen das Kino, ein Tanzlokal, der Kletterfelsen oder der Schlittenberg. Jede Generation von Jugendlichen – ganz gleich, ob sie nun Backfische, Halbstarke oder Teenager bezeichnet wurden – hatte ihre eigenen Lieblingsplätze, Treffpunkte zum Reden und Lachen, um sich herauszufordern und zu messen. Diese „Orte der Jugend“ ruft das Museumsnetzwerk Rosenheim in seiner gleichnamigen Gemeinschaftsausstellung ins Gedächtnis zurück.

Insgesamt 15 Museen und kulturelle Einrichtungen in Stadt und Landkreis lassen ein halbes Jahr lang die „Jugendzeiten“ der verschiedenen Jahrzehnte mit Fotografien, Schautafeln und anderen Erinnerungsstücken wieder aufleben. Der offizielle Startschuss fällt am Samstag, 7. Mai, um 17 Uhr bei der Auftaktveranstaltung im Rosenheimer Inn-Museum.

Breitgefächertes Rahmenprogramm für die „Orte der Jugend“

Die Bibliothek des Amerika-Hauses im "Haus der Jugend".

Die Bibliothek des Amerika-Hauses im „Haus der Jugend“ in Rosenheim. Fotos: zur Verfügung gestellt vom Museumsnetzwerk Rosenheim.

Wie ein Themenpfad zieht sich die Ausstellung – nach „Heimat 1914“ ist sie das zweite landkreisweite Projekt des Museumsnetzwerks – durch die Region, von Amerang bis Kiefersfelden, von Bad Aibling bis Frasdorf. Sie wird flankiert von einem überaus breitgefächerten Rahmenprogramm mit Erzählcafé, Erlebnispaddeln, Bildersuchfahrt, Sommernachtskino, kulturhistorisch geführter Wanderung, Spieleforum und und und. Die einzelnen Termine, Informationen zum Gewinnspiel sowie Daten für Geocache-Freunde können im Internet unter www.museumsnetzwerk-rosenheim.de abgerufen werden.

Die Ausstellung führt nicht nur zurück in die eigene Jugendzeit. Sie regt auch an, sich über die Situation der Heranwachsenden von heute Gedanken zu machen.“, fasst Mit-Organisatorin Michaela Firmkäs, Kunsthistorikerin und Volkskundlerin aus Nußdorf am Inn, die Intention der teilnehmenden Einrichtungen zusammen.

Themenpfad quer durch den Landkreis Rosenheim

Den Mythos Jugend und seinen Wandel in der Gesellschaft etwa beleuchtet das Bauernhausmuseum Amerang aus unterschiedlichen Zeiten in seinen historischen Häusern. Das Heimatmuseum Bad Aibling wirft ein Schlaglicht auf die tanzfreudige Beat-Generation der 1960er Jahre, auf den Rohleder-Saal und auf zwei erfolgreiche Aiblinger Bands – die „Circlesawyers“ und die „Gentles“. Und das große Angebot an Freizeitmöglichkeiten und Treffpunkten in dem kleinen Ort im Inntal dokumentiert die Neue Künstlerkolonie Brannenburg. Fotografien im Rathaus und auf der Skulpturenwiese laden zu einem Streifzug durch Milchbar, Kino, Schwimmbad und Sprungschanze ein.

Hochwasser an Inn und Mangfall bedeutete für viele Jugendliche immer auch ein Abenteuer.

Hochwasser an Inn und Mangfall bedeutete für viele Jugendliche immer auch ein Abenteuer.

Vom verbotenen Treiben und den Leichtfertigkeiten auf den Almen erzählen Jagd- und Almexponate sowie alte Fotografien im Dorf- und Höhlenmuseum Frasdorf. Zudem können die Besucher in Aufzeichnungen über Vorkommnisse in den Bergen – lustige wie tragische – blättern.

Einen Ort, der den Motorsport buchstäblich lebt, präsentiert das Blaahaus Kiefersfelden. Eine Sonderausstellung skizziert die aktuelle Situation wie den Motorrad-Trial und wagt zudem einen Blick in die Zukunft.

Kiefersfelden - Ein Ort lebt den Motorsport

Kiefersfelden – Ein Ort lebt den Motorsport

Das Heimat- und Industriemuseum Kolbermoor gewährt Einblick in die Jugendclub-Kultur des Ortes. Deren Grundstein wurde mit dem „Club 71“ gelegt; 30 Jahre später eröffnete der erste städtische Jugendtreff im Waschhaus des ehemaligen Krankenhauses seine Pforten. Die Industriepfade Mangfalltal rufen die Geschäftigkeit, die in der einstigen Bahnhofsrestauration Kolbermoor herrschte, ins Gedächtnis. Und für ein Wiedersehen mit dem bei den jungen Schlitten- und Skifahrern so beliebten „Halle Berg“ sorgt die Moorstation Nicklheim.

Bei der Martha“ – oder im „Ring-Café, wie es offiziell heißt – lädt der beliebte Jugendtreff am Nußdorfer Mühlenweg mit Brett- und Kartenspielen im Kleinen Stüberl zum Verweilen ein. Dem Leben der Jugend auf dem Dorfe seit den 1930er Jahren widmet sich das Bauernhausmuseum Rohrdorf; und einem informellen Jugendzentrum im Herzen der Stadt, nämlich der „Fischküch’“ – das Städtische Museum Rosenheim.

Rund ums Faltboot dreht sich naturgemäß die Sequenz im Kleppermuseum. Ebenfalls mit dem Thema Wasser, genauer gesagt dem „Abenteuer Hochwasser“ und seinen prägenden Eindrücken, setzt sich das Innmuseum Rosenheim auseinander. Derweil zeichnet das Stadtarchiv Rosenheim die Geschichte des „Haus der Jugend“ in der Hohenzollernstraße, dem ehemaligen Wehrmachtkasino, nach.

Den steten Wandel der Orte der Jugend veranschaulicht schließlich das Gemeindemuseum Stephanskirchen anhand von Fotografien aus über 100 Jahren.

Einblick in Vielfalt der Museumslandschaft

Nicht zuletzt aber, ergänzt Michaela Firmkäs, habe das Gemeinschaftsprojekt, das unter anderem von der Sparkassenstiftung Zukunft für den Landkreis Rosenheim gefördert wird, einen willkommenen Nebeneffekt: „Auf diese Weise machen wir den Bürgern zugleich die Vielfalt unserer Museumslandschaft bewusst.“ Und auch ein weiteres Projekt hat sie bereits im Visier: „Heimat 1918“….

Marisa Pilger