Der stählerne Schweizer lässt bitten

Wie ein Melkroboter das Leben der Landwirte erleichtert – Stichwort „Kuhkomfort“

von Marisa Pilger

Landkreis Rosenheim – Das Melken ist Margot Manhart als „sehr schwere Arbeit“ in Erinnerung geblieben. Fünf Viertelstunden standen sie früher zu zweit im Stall, mussten den Melkapparat von Kuh zu Kuh schleppen, sich zu jeder einzelnen Zitze herunterbücken, saubermachen, anstecken, abstecken – bei 45 Tieren, zweimal täglich, sieben Tage die Woche. Heute setzt sich die 32jährige morgens und abends an den Computer, überprüft, welche Kuh überfällig ist und treibt sie gegebenenfalls in den Melkstand. Denn seit Juli 1999 erledigt in Schlimmerstätt bei Großkarolinenfeld ein Melkroboter die Knochenarbeit.

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Vom Kuhstall in die „Star“-Arena

Ein Tag beim Zuchtviehmarkt in der Miesbacher Oberlandhalle – Superpreis für Neubeurer Stier

von Marisa Pilger

Miesbach – Nummer 115 ist schon gestylt, das Hinterteil frisch rasiert; das Stimmengewirr um sie herum scheint die Zweieinhalbjährige aus Bruckmühl kalt zu lassen. Gemächlich tritt sie von einem Bein aufs andere, scharrt von Zeit zu Zeit im Sägemehl. Derweil fachsimpeln weiter hinten Männer mit Gummistiefeln und grauen Hüten über Euterform, Tagesgemelk und Fleischansatz. Nummer 115 wartet mit zig anderen gelassen auf ihren Auftritt. Als es dann soweit ist, zeigt einzig P. Allüren, der heimliche Star lässt auf sich warten. Unruhe macht sich in den Zuschauerrängen breit. Ein weiterer Aufruf folgt: „Nummer Eins, bitte in den Ring!“. Schließlich läuft P. doch noch ein – und lässt so manches Herz höherschlagen: Ein Neubeurer als prächtiger Auftakt für den Zuchtviehmarkt in der Miesbacher Oberlandhalle.

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Charolais als Marktnische nutzen?

Landwirtschaftsamt sehr skeptisch

Landkreis – Zum alltäglichenLandschaftsbild gehören die Charolais-Kühe im Raum Rosenheim beileibe nicht; eher schon im Bayerischen Wald, in Kärnten und im Allgäu. Ursprünglich stammt die wetterfeste Rasse aus Frankreich und hielt erst nach dem Zweiten Weltkreig in Deutschland – zunächst im Norden – Einzug. Mittlerweile ist das stark bemuskelte Rind in 68 Ländern verbreitet.

Während mit den in der Region erfassten 70.000 Rindern vorrangig Milchwirtschaft betrieben wird, bieten Zucht und Mast der Charolais, auf deren Fleisch Gourmetköche in Frankreich schwören, eine Marktnische, die sich durchaus lohnen kann, erläutert Stefan Kürschner, der Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands. Denn der Ertrag bei Extensiv-Rassen wie auch Angus oder Galloways, so Kürschner, ist groß, die Fleischqualität hervorragend.

Etwa 700 Halter verzeichnet der 1995 gegündete Charolais-Verein bayernweit. „Zu wenige“, bedauert Vorsitzender Peter Will aus Kempfenhausen bei Starnberg. Mit Tageszunahmen von drei Pfund – ohne Kraftfutter – träten die Fleischrinder in starke Konkurrenz zum Fleckvieh; zumal, kritisiert Will, bei den Milchkühen die Fleischqualität lediglich eine untergeordnete Rolle spiele.

Den Lobgesängen auf die Güte des Charolais-Fleisches steht Matthias Aicher, Leiter des Landwirtschaftsamtes Rosenheim, allerdings mehr als skeptisch gegenüber. „Das ist das gleiche Fleisch.“ Er ist außerdem der Meinung, „man solle das verwenden, was in großen Mengen da ist, und was preiswert ist“, verteidigt Aicher das heimische Vieh. Schließlich stelle die Milch in dieser Region die wichtigste Einnahmequelle für die Landwirtschaft dar. Und hierfür sei nunmal das Fleckvieh mit einer durchschnittlichen Jahresleistung von rund 6000 Litern prädestiniert.

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„Anfangs sind wir belächelt worden“

Von Milchwirtschaft mit Fleckvieh zu Mutterkuhhaltung mit Charolais

von Marisa Pilger

Bad Endorf/ Höslwang – Vorbei die Zeiten, als der Kuhstall noch ein lauschiges Plätzchen im Warmen bot – zumindest auf den Höfen von Paul Guggenberger und Josef Siferlinger. Der Offenstall beim einen, der zur Laufhalle umgebaute Kuhstall beim anderen bieten robusten Fleischrindern während der Wintermonate ein luftiges Quartier. Auch der Anblick der Charolais-Kühe, auf die die beiden Landwirte – die einzigen beim bayerischen Fleischrinderverband in Ansbach registrierten Züchter aus dem Landkreis Rosenheim – seit einigen Jahren setzen, ist für Fleckvieh-gewöhnte Augen nicht alltäglich.

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