Im Wettlauf um die klugen Köpfe

Hochschule Rosenheim und IHK bekräftigen Kooperation beim Verbundstudium

Rosenheim – Der eklatante Fachkräftemangel in der Region stellt Betriebe wie Hochschulen vor neue Herausforderungen. So rückt der Doppelpack Studium/ Praxis als Bildungskonzept mehr und mehr in den Vordergrund, wenn es darum geht, frühzeitig qualifizierte Nachwuchskräfte zu rekrutieren und auch für künftige Führungspositionen an das Unternehmen zu binden. Mit einer neuen Kooperationsvereinbarung haben deshalb die Hochschule Rosenheim und die IHK für München und Oberbayern ihre Zusammenarbeit beim sogenannten Verbundstudium – parallel zum regulären Hochschulstudium umfasst es eine komplette Berufsausbildung inklusive Vergütung – bekräftigt.

Zugleich rührten der Hochschul-Präsident Professor Heinrich Köster und IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen im Rahmen einer Informationsveranstaltung bei Unternehmern aus der Region kräftig die Werbetrommel für die dualen Studienmodelle, die auf eine enge Verknüpfung von Wissenschaft und praxisnaher Ausbildung setzen.

Der Wettbewerb um die klugen Köpfe verschärft sich kontinuierlich.“, mahnte Driessen eindringlich. Bereits jetzt habe einer Umfrage der Bayerischen Industrie- und Handelskammern zufolge jedes zweite Unternehmen Probleme bei der Besetzung offener Stellen; und der IHK-Fachkräftemonitor prognostiziere eine weitere Verschärfung der Situation bis zum Jahr 2020.

„Historisches Ereignis“ an der Hochschule Rosenheim: Präsident Professor Heinrich  Köster (links) und Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, bei der Unterzeichnung des neuen Kooperationsvertrages zum Verbundstudium. Foto: Pilger

„Historisches Ereignis“ an der Hochschule Rosenheim: Präsident Professor Heinrich Köster (links) und Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, bei der Unterzeichnung des neuen Kooperationsvertrages zum Verbundstudium. Foto: Pilger

In Rosenheim ist derzeit die Kombination Ausbildung/ Studium in zehn verschiedenen Bachelor-Studiengängen der Fakultäten Betriebswirtschaft, Ingenieurwissenschaften, Informatik sowie Holztechnik und Bau möglich. Die neue Vereinbarung – entsprechende Verträge bestehen bereits mit den Hochschulen in München und Ingolstadt – stellt das Verbundstudienmodell für IHK-Ausbildungsberufe nun auch hier auf einheitliche Füße; das Aushandeln von Einzelkooperationen ist damit passé.

Nach einer zwölfmonatigen Ausbildungsphase im Betrieb setzt am 1. Oktober des Folgejahres das Studium ein, skizzierte Vizepräsident Professor Dr. Eckhard Lachmann die Grundzüge des Verbundstudiums, von dem sich Hochschule wie IHK kräftige Impulse für die Region versprechen. Ausbildungsphasen im Betrieb und Studienzeiten wechseln sich bis zum Ende der Ausbildung ab; ebenso steht nach der IHK-Abschlussprüfung eine weitere praktische Tätigkeit im Betrieb bis zum Abschluss des Studiums an.

Klare Regelungen reduzieren nicht nur den Verwaltungsaufwand sondern erleichtern auch die Akquise dual Studierender erheblich, sind sich die Vertreter von Hochschule und IHK einig. Dadurch könnten nun auch kleinere und mittlere Unternehmen ganz einfach in die Kooperation einsteigen und zugleich den Wissenstransfer mit der Hochschule ausbauen. Über die Einhaltung der Qualitätsstandards wacht die Dachorganisation „hochschule dual“, ein Zusammenschluss der bayerischen Hochschulen und Bildungspartner der bayerischen Wirtschaft.

Eine geeignete und anspruchsvolle Aufgabe für die studierenden Auszubildenden zu finden, hält beispielsweise Anton Kufer für eine der großen Herausforderungen an die Betriebe. Der Diplom-Informatiker und Geschäftsführer der Kubus Software GmbH in Mühldorf spricht dabei aus Erfahrung; er beschäftigt neben mehreren Auszubildenden seit dem Wintersemester 2008/ 2009 auch zwei Dual-Studenten für Informatik und weiß daher, dass deren Praxisphasen genau geplant sein wollen. Auch habe man anfangs die Anforderungen seitens der Berufsschule unterschätzt, was in seinem Betrieb schließlich durch den Einsatz von Tutoren abgefedert wurde. Hier wären bessere Unterlagen von der IHK hilfreich gewesen.

Das ist kein Studium light.“, warnt Kufer vor falschen Vorstellungen. Die Anforderungen im Verbundstudium, an dessen Ende zwei vollwertige Abschlüsse stehen, seien deutlich höher als „nur“ bei Lehre oder Studium. Entsprechend setzt er bei seinen Bewerbern eine Eins vor dem Komma im Abiturzeugnis voraus.

Ohne Frage erfordere der straffe Zeitplan ein hohes Maß an Disziplin und Leistungsbereitschaft, bestätigt Nicole Stanek. Parallel zum Informatikstudium (momentan im 6. Semester) hat die junge Frau bereits ihre Ausbildung zur Fachinformatikerin bei der Firma Hexal in Holzkirchen abgeschlossen. Der Berufsschulstoff wurde in wöchentlichen Präsentationen im Betrieb aufbereitet. Und an ihren vorlesungsfreien Tagen stand regelmäßig Büffeln statt Badesee auf dem Programm. „Das war kein Spaziergang.“, meint sie rückblickend, zumal manche Prüfungstermine nicht aufeinander abgestimmt gewesen seien. Doch die Belastung hat sich ausgezahlt. Einen festen Arbeitsvertrag hat sie jedenfalls bereits in der Tasche.

pil