Heimatgeschichte auf Schützenscheiben

„Ins Schwarze getroffen“ – Ausstellung zum 400. Jubiläum der Feuerschützengesellschaft Prien

Prien – Zu ihrem 400. Jubiläum hat die Königlich-privilegierte Feuerschützengesellschaft Prien (FSG) ihre Heimat auf ganz besondere Weise ins Bild gerückt: In der Ausstellung „Ins Schwarze getroffen“, die bis Sonntag, 25. Juni, im Heimatmuseum zu sehen ist, geben 38 künstlerisch gestaltete, teils weit mehr als 100 Jahre alte Schützenscheiben Einblick in die Ortsgeschichte.

Hannelore Thiel hat die Ausstellung mit viel Bedacht konzipiert; für zwei der Scheiben hat die Öffentlichkeitsreferentin der FSG selbst zum Pinsel gegriffen.

Schützenscheiben sind seit Jahrhunderten Bestandteil der Schützentradition im süddeutschen Sprachraum. Sie waren anfangs noch unbemalt und wurden freischwebend aufgehängt; nach historischen Abbildungen dürfte es sich dabei um Fassböden und -deckel gehandelt haben. Erst im 16. Jahrhundert wurde ein schwarzer Punkt in die Mitte aufgemalt, um den Schuss besser zentrieren zu können. Ab dem 17. Jahrhundert begann man, die Scheiben zu bemalen. Dies war der Beginn einer neuen Kunstform, die sich unterschiedlichster Motive aus allen gesellschaftlichen Bereichen bediente.

Die Zieler hielten sich im gefährlichen Scheibenbereich auf und zeigten jeden Treffer mit dem Zeiger an. Zu ihrer eigenen Sicherheit trugen sie ein auffälliges Kostüm.

Ein besonderes Anliegen der FSG ist es, auch die Verbindung zwischen den Schützen, den Bürgern Priens und der Nachbargemeinden über die Jahrhunderte hinweg aufzuzeigen. Viele Besucher werden beim Rundgang durch die Museumsräume ihre eigenen Namen oder die ihrer Vorfahren in der Ausstellung finden. Außerdem werden die gemeinsamen Wurzeln mit anderen Gesellschaften deutlich, die aus der Schützengilde der Region hervorgegangen sind. Zahlreiche Begleittexte erläutern die historischen Zusammenhänge.

Im „Priener Zimmer“ dokumentieren Ortsansichten die bauliche Entwicklung; „hölzerne Bildnisse“ von Bürgermeistern, die zugleich Schützenmeister waren, erinnern an Augustin Hass, den ersten Bürgermeister in der Geschichte Priens, und an Johann Baptist Haas; beide Scheiben stammen aus dem Atelier von Hiasl Maier-Erding. Und natürlich fehlt auch ein Stillleben mit dem „Priener Hut“ von Paul Paulus nicht.

Hannelore Thiel (hier mit den beiden ältesten Scheiben) hat die Ausstellung mit viel Bedacht konzipiert.

Im „Jubiläumszimmer“ zeichnen unter anderem drei Exponate von 1870, 1871 und 1904 die Historie des Schützenhauses nach. Zu sehen sind dort auch die anlässlich des Jubiläums angefertigten Scheiben. Ein dritter Raum präsentiert einen Querschnitt der Sammlung der FSG. Ein Teil der 140 Scheiben kann in den Gasträumen des „Schützenwirt“ besichtigt werden.

Bis ins 16. Jahrhundert reichen die Wurzeln der FSG. Spätestens 1529, als die Türken erstmals vor den Toren Wiens standen, dürfte die Schützengilde der Herrschaft Wildenwart zum Schutz der Heimat gegründet worden sein. Bereits 1540 wurde eine Pulvermühle bei Wildenwart erbaut, und ab 1552 ist die Existenz eines Büchsenmachers in Prien nachgewiesen.

Hölzerne Zeugnisse des alten Prien.

Die Chronik der FSG wird seit 1617 geführt. Aus diesem Grund begeht die Gesellschaft in diesem Jahr auch nicht ihr 400-jähriges Bestehen, sondern spricht vom 400-jährigen Jubiläum.

pil