Erntehelfer für die Obstbauern

ORO will mit umfangreicher Investition den Streuobstanbau attraktiver machen

von Marisa Pilger

Rohrdorf  – Zwei neue Erntehelfer stehen den Obstbauern in der Region seit kurzem zur Seite: Ein Hydraulik-Schüttelgerät und ein Obstwiesel, in welche die Obstverwertung Rohrdorf (ORO) rund 45.000 Euro investiert hat, übernehmen nun das schweißtreibende Schütteln der Bäume ebenso wie das mühsame Aufklauben des Streuobstes. Die Vermittlung der Geräte sowie die komplette Logistik und die Abrechnung der Ernte organisiert der Maschinen- und Betriebshilfsring Rosenheim.

Vier bis fünf Leute mussten früher einen Tag lang für eine Kipperladung mit 80 bis 90 Zentner Obst anpacken.

Vier bis fünf Leute mussten früher einen Tag lang für eine Kipperladung mit 80 bis 90 Zentner Obst anpacken…

Im Moment heißt es zusätzlich zu den Früchten vor allem Erfahrungen sammeln. Doch für ORO-Geschäftsführer Joachim Wiesböck ist diese Art der Ernte, wie sie in anderen Anbaugebieten längst praktiziert werde, schon jetzt aus zwei Gründen interessant. Zum einen sei der im Jahr 1958 gegründeten Genossenschaft als Regionalvermarkter daran gelegen, dass möglichst heimisches Obst in die Saftflaschen wandert, anstatt Äpfel aus Niederbayern, Tschechien, Österreich oder Baden-Württemberg zuzukaufen. Allerdings seien die von den Landwirten abgelieferten Mengen in den vergangenen Jahren rückläufig gewesen. Mit den neuen Geräten will Wiesböck die Attraktivität des Streuobstanbaus ebenso steigern wie dessen Wirtschaftlichkeit. Als Anreiz zahlt der Fruchtsafthersteller für jeden Doppelzentner maschinell geernteter Äpfel und Birnen einen zusätzlichen Euro, also 12 Euro.

Zum anderen, ergänzt er, kämen die Früchte wegen der ernormen Zeitersparnis bei der Ernte beinahe direkt vom Baum in die Presse; entsprechend höher falle die Qualität des Saftes aus.

Rund 15 Bäume kann sich der Hydraulikschüttler pro Stunde vornehmen. Um Verletzungen an den Stämmen vorzubeugen, sind die Greifer mit Gummibacken gepolstert. Bedenken wegen möglicher Schäden im Wurzelbereich hat Wiesböck nicht; in anderen Gegenden würden bereits seit Jahren ähnliche Geräte erfolgreich eingesetzt. Der selbstfahrende Obstsammler befördert währenddessen stündlich zwei bis drei Tonnen Äpfel oder Birnen über eine Schnecke in seinen Bunker (Fassungsvermögen rund 15 Zentner); von dort aus wird das Mostobst hydraulisch auf Anhänger gekippt.

Neue Erntehelfer erleichtern den Obstbauern die Arbeit. Fotos: Pilger

… jetzt erleichtern die zwei neuen Erntehelfer den Obstbauern die Arbeit. Fotos: Pilger

Bei einem Ernteertrag von rund zehn Zentner pro Baum könnte sich der Maschineneinsatz bereits in kleineren Anlagen mit nur fünf Bäumen lohnen, meint Wiesböck. Grundsätzlich müssten für dieses Verfahren aber sowohl Untergrund als auch Bäume entsprechend vorbereitet werden. Überlange Zweige und Wassertriebe zum Beispiel dämpften die Schüttelbewegungen ab, viele der Äpfel blieben am Baum hängen. Dann müsste der Bauer – wie gehabt – händisch mit einer Stange oder einem Haken nacharbeiten. Und bei falscher Bodenoberfläche würde der Wiesel neben dem Obst auch viel Erde aufsammeln. Ideal wäre es, wenn die Streuobstwiese zwei bis drei Wochen vor der Ernte gemäht werde. Das Bücken zum Aussortieren der verfaulten Früchte vor dem Einsammeln allerdings bleibe dem Bauern nach wie vor nicht erspart.