Durchstarten mit 40 plus – Von der Raumfahrt- zur Holztechnik

Marie-Laure Divoux hat fürs Frühjahr 2013 ihren zweiten Masterabschluss im Visier

von Marisa Pilger

Rosenheim – Le bois, das Holz – das ist ihr Element. Und dank eines Tips in ihrem Holzpraktikum verschlug es die Bauingenieurin Marie-Laure Divoux dann nach Rosenheim. Denn seit 2008 verbindet die Innstadt mit der Berner Fachhochschule für Architektur, Holz und Bau in Biel eine Kooperation für den internationalen Masterstudiengang Holztechnik.

Insgesamt 20 Studenten aus zehn Ländern – neben Frankreich, Deutschland und der Schweiz sind dies der Iran, Italien, Kroatien, Österreich, Portugal, Slowenien und Zypern – konnte Studiendekan Professor Frieder Scholz im Oktober zu dem Studiengang begrüßen, der seit dem Wintersemester auch auf Englisch angeboten wird. Zwanzig Studenten, die „fit gemacht werden für die Holzbranche in einer globalisierten Arbeitswelt“, wie es Dr. Heiko Thömen, Leiter des Masterstudiengangs an der Berner Fachhochschule, in einer Pressemitteilung formuliert hat. Mittlerweile sind die Prüfungen des ersten Semesters geschrieben. Und für die Französin und die Hälfte ihrer Studiengruppe steht der Umzug nach Biel im Schweizer Kanton Bern an.

Holz ist ihr Element: Marie-Laure Divoux hat sich auf dem Campus der Hochschule Rosenheim sehr wohlgefühlt. Jetzt steht der Umzug nach Biel an. Foto: Pilger

Holz ist ihr Element: Marie-Laure Divoux hat sich auf dem Campus der Hochschule Rosenheim sehr wohlgefühlt. Jetzt steht der Umzug nach Biel an. Foto: Pilger

Dabei hat die berufliche Laufbahn der angehenden Expertin in Sachen Holztechnik nicht ganz so „bodenständig“ begonnen. Mit 20 Jahren, nach einem intensiven Vorstudium in Mathematik, Physik und Chemie, studierte sie Luft- und Raumfahrttechnik in Toulouse, im Südwesten Frankreichs. Diesem Metier blieb sie 14 Jahre lang treu, davon acht Jahre bei Airbus in Toulouse.

Vor zwei Jahren fasste sie dann den Entschluss, noch einmal auf einem anderen Gebiet durchzustarten. Nach einem „bilan de compétences“, einer persönlichen und beruflichen Standortbestimmung, ähnlich einer Weiterbildungsberatung, fiel schließlich die Entscheidung, sich in Grenoble zu immatrikulieren. Bereits seit Juli hat die Mutter eines 17jährigen Sohnes den Master für Bauingenieurwesen in der Tasche und fürs Frühjahr 2013 hat sie den Abschluss in Holztechnik im Visier.

Die sprachliche Herausforderung sieht Marie-Laure Divoux weniger in der Unterrichtssprache Englisch. Vielmehr sei von dem Deutsch, das sie als Schülerin gelernt hat, nicht viel übrig geblieben. Eine große Motivation, sich trotzdem für einige Monate „en Allemagne“ niederzulassen, seien vor allem ihre beiden Neffen gewesen, die zweisprachig aufwachsen. Und der Mut hat sich ausgezahlt. Wenn sie aber von ihren Plänen und Visionen erzählt, verfällt die ehrgeizige Französin unweigerlich in ihre Muttersprache. Etwa wenn sie von den Niedrigenergiebauten im öffentlichen Raum mit nachhaltigen Rohstoffen spricht, die sie während ihres Holzpraktikums bei der in Frankreich renommierten Kooperative Gaujard Technologies hautnah erlebt hat.

Ihr Alter – gemeinsam mit einem Kommilitonen führt sie in ihrem Studienjahrgang das Feld an – empfindet die Studentin dabei keineswegs als hinderlich; eher im Gegenteil. So hat sie schon in ihren früheren Studien gelernt, methodisch zu arbeiten und exakt zu formulieren. „Hier sind die Jungen noch gefordert.“ Und in Deutschland, muss sie zu ihrer Verwunderung immer wieder feststellen, „haben viele Angst vor Mathe“. Auch hier sieht sie den Vorteil ihrer naturwissenschaftlichen Bildung. Und dass sie sich mit drei anderen Frauen in einer Männerdomäne bewegt, ist sie von Frankreich her schon gewohnt.

Ebenso bereitet der angehenden Doppel-Masterabsolventin die bevorstehende Jobsuche als etwas älteres Semester kein allzu großes Kopfzerbrechen. „45 ist okay.“, meint sie; mit 50 wäre es sicher schwieriger.

Die Entscheidung nochmals zu studieren hat ihr Leben zwar komplett umgekrempelt; bereut hat sie Marie-Laure Divoux dennoch nicht. Und ihr Sohn scheint mächtig stolz auf seine Mutter zu sein, die nochmal im Hörsaal sitzt – und ihm zeigt, wie interessant ein Studium sein kann.