Die „Achentaler“ dreschen mit Volldampf

Historisches Fest zum 75jährigen Bestehen lockt scharenweise Besucher an

Rohrdorf – Ein dreiviertel Jahrhundert hat er bereits auf dem Buckel. Dass der Verein aber bis heute beileibe nicht in die Jahre gekommen ist, bewiesen die Trachtler vom „GTEV Achentaler“ am Wochenende mit einem ebenso lebendigen wie buntgemischten Jubiläumsprogramm. Im Mittelpunkt stand das historische Drescherfest, bei dem das „Geburtstagskind“ gestern die Getreideernte von anno dazumal wieder aufleben ließ. Erfreulicherweise zeigte sich auch Petrus gnädig und schickte statt des angekündigten Dauerregens zeitweise sogar Sonnenschein.

Dreschen wie anno dazumal: Die historische Dampfmaschine, Baujahr 1908, samt Dreschwagen standen im Mittelpunkt des Interesses.

Dreschen wie anno dazumal: Die historische Dampfmaschine, Baujahr 1908 …

Ein Pfeifen und Zischen tönte über Festplatz, als die Dampf-Dreschmaschine – eine Leihgabe aus Umratshausen – angeworfen wurde. Im Nu war der Apparat, Baujahr 1908, umringt von zahlreichen Schaulustigen. Der Troad fürs Dreschen war einige Wochen zuvor stilecht mit einem Bindemäher geschnitten und gleich anschließend zu Garben gebunden worden.

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… samt Dreschwagen standen im Mittelpunkt des Interesses.

altes handwerk beim drescherfest hoch im kurs

Mindestens ebenso hoch im Kurs aber stand altes Handwerk. So konnten die Besucher unter anderem Hornschnitzer, Besenbinder, Seiler und Hufschmid über die Schulter schauen. Insgesamt sorgten beim Handwerker- und Brauchtumsmarkt rund 40 Aussteller für eine gute Portion Nostalgie auf dem Gelände rund ums Heimathaus und auf dem Areal der Montessorischule.

Auch das Sensen Dengeln – eine (fast) vergessene Fertigkeit - wurde beim Drescherfest demonstriert.

Auch das Sensen Dengeln – eine (fast) vergessene Fertigkeit – wurde beim Drescherfest demonstriert.

Selbstredend kam dort auch das Kulinarische nicht zu kurz. Jakob Opperer und seine Buam beispielsweise machten den Gästen die Herstellung von Sauerkraut nach Großmutter Art schmackhaft, während Maria Haimmerer Zelten ins Rohr schob. Auf einer Strohhüpfburg konnten sich zudem die ganz und die weniger Kleinen austoben.

600 gäste beim heimatabend

Etwa 600 Gäste hatte Vorstand Rupert Wagner bereits am Vortag beim großen Heimatabend begrüßt, darunter Abordnungen der Höhenmooser und Lauterbacher Trachtler, der Patenvereine aus Altenbeuern und Bruckmühl sowie Vertreter aus dem politischen und kulturellen Leben. Einmal mehr hoben Bürgermeister Christian Praxl und Gauvorstand Walter Weinzierl in ihren Ansprachen die Bedeutung lebendigen und gelebten Brauchtums hervor, welches die Plattlergruppen des Festvereins, des Inngau-Trachtenverbandes sowie der befreundeten Trachtenvereine auf eindrucksvolle Weise demonstrierten.

bebilderte chronik zum 75jährigen bestehen

Ihr nunmehr 75jähriges Vereinsleben haben die Trachtler in einer bebilderten Chronik festgehalten: Demnach wurden die „Achentaler“ an einem eiskalten Sonntag im Januar anno 1935 von 27 Männern unter der Leitung von Bäckermeister Franz Xaver Sanftl – er wurde später einstimmig zum Ersten Vorstand gewählt – aus der Taufe gehoben; benannt nach der Rohrdorfer Achen, die damals wie heute durchs Dorf floss. Bereits im November fand der erste Vereinsball statt. Und im selben Jahr hatte auch die neue Theatergruppe mit dem Stück „Die Leonhardifahrt“ Premiere. Die erste Fahne – sie wurde 1937 zum Preis von 440 Reichsmark angeschafft – konnte wegen der Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten allerdings nur heimlich kirchlich geweiht werden.

Nach dem Krieg kam das Vereinsleben nur langsam wieder in Gang. Doch 1955 richtete der Verein schließlich sein erstes Gaufest aus, an dem sich elf Musikkapellen und 45  Vereine beteiligten. Erheblich mehr, nämlich 4452 Trachtler und 544 Musikanten, waren es beim Festzug im Juli 1977, als die „Achentaler“ zum bislang größten Inngautrachtenfest mit Wertungsplatteln luden. Allein 201 Teilnehmer und 26 Mann Musik, einen Festwagen und zwei Kutschen stellte damals der Gastgeber.

Seit 1983 residiert der Trachtenverein nun – nach Zwischenstationen im Gasthof Wörndl und in der ehemaligen Gemeindekanzlei über der damaligen Turnhalle – in ihrem „Achentaler Heimathaus“, einem 300 Jahre alten denkmalgeschützten Bauernhaus, das von Grasweg nach Rohrdorf versetzt worden war. Fünf Jahre später wurde hier, verbunden mit einem Drescherfest, das bäuerliche Museum  eröffnet, das unter anderem eine 39bändige, von Ehrenvorstand Peter Reisner gefertigte Holzbibliothek beherbergt. Das Venezianer Sägegatter von der Hohe Asten und der ebenfalls denkmalgeschützte Dick-Stadl, den die Trachtler 2004/2005 samt Troadkasten von Sachsenkam auf das Gelände hinterm Rohrdorfer Rathaus versetzt haben, runden das Museums-Ensemble ab. Der Bauerngarten, der pünktlich zum 75jährigen Vereinsbestehen angelegt worden ist, setzt den vorläufigen Schlusspunkt der Errungenschaften.

beitrag zum kulturellen leben

Doch tragen die „Achentaler“ mit ihren 500 Mitgliedern nicht nur mit Festen, Preisplatteln und dem Tragen von Kassettlgwand, Priener Hut und Lodenjoppe mit den sogenannten „Jaga-Tratza“ zum kulturellen Leben im Dorf bei. Auch die traditionellen Theateraufführungen sowie der Josefi- und der Kathreinshoagast und das Kirtahutschn am Stadl zählen längst zu den festen Größen im gemeindlichen Terminkalender.