Dornenreiches Hobby trägt prächtige Blüten

Rohrdorfer hegt und pflegt mehr als 1500 Kakteen

von Marisa Pilger

Rohrdorf – Es ist ein stachliges, oder – spitzfindig und botanisch richtig ausgedrückt – ein dornenreiches Hobby, das Hubert Gann seit nunmehr 40 Jahren pflegt. Im Grunde genommen hatte der Rohrdorfer „schon immer Spaß“ an Kakteen. Doch dann lernte er durch einen Bekannten deren unvergleichbare Artenvielfalt in Mexiko schätzen und lieben. „Und das hat mich nicht mehr so recht losgelassen.“, erinnert sich der 78jährige an die Anfänge seiner Sammelleidenschaft.

Im Wohnzimmer haben Ariocarpus und Co allerdings längst keinen Platz mehr: Schließlich ist Ganns Kollektion im Laufe der Jahrzehnte auf 1500 bis 2000 Exemplare angewachsen. Auch der Anbau im ersten Obergeschoss, ausgestattet mit Ventilator und thermostatgesteuerter Heizung, reichte bald nicht mehr aus, und selbst das Glashaus im Garten musste erweitert werden, um den aberhunderten von Kakteen und Sukkulenten ein Dach über dem Kopf bieten zu können.

Für Hubert Gann gibt es immer etwas zu tun. Täglich inspiziert er seine umfangreiche Sammlung.

Für Hubert Gann gibt es immer etwas zu tun. Täglich inspiziert er seine umfangreiche Sammlung.

Die Palette an Arten und Gattungen ist groß, die Gann dort beherbergt: Vom Regenbogenkaktus bis zur Affenschaukel, von der Warzenkaktee Mammillaria bis zum gerippten Stenocactus – die Vielfalt auf den fahrbaren Tischen und Regalen eröffnet sich dem Laien erst bei genauerem Hinschauen. Exemplare der meskalinhaltigen Lophophoren-Art Peyotl, des „Rauschgiftkaktus“, fehlen ebenso wenig wie die Espostoa, jene Säulengewächse, aus deren watteartiger Behaarung die Peruaner einst Bettunterlagen fertigten. Ganns erklärte Favoriten aber sind der Thelocactus mit seiner bunten Bedornung und die ursprünglich im Hochland Mexikos beheimateten Astrophyten. Diese kommen beinahe einem Barometer gleich. Denn stehen alle zur gleichen Zeit in voller Blüte, „wird das Wetter schlecht“.

Freilich, Geduld braucht man für die Kakteenzucht. Und „zu tun gibt’s immer etwas“, selbst im Winter, wenn seine „Schützlinge“ Winterschlaf halten und noch nichts von der bunten Blütenpracht erahnen lassen, die sich mit den ersten wärmeren Tagen einstellt. Vor kurzem etwa hat die Rote Spinne einigen seiner Prachtexemplare stark zugesetzt.

Täglich inspiziert der Rohrdorfer seine umfangreiche Sammlung, topft um, pfropft, sät aus oder bestäubt seine Pflanzen mit dem Pinsel. Und gegossen wird „nur mit Regenwasser“. Auf diese Weise hat sich Gann zumindest einen kleinen Querschnitt der Kakteen-Vielfalt Süd- und Mittelamerikas herangezogen; die Ausfuhr dieser Pflanzen ist gemäß des Washingtoner Artenschutzabkommens von 1984 streng verboten.

Geduld ist gefragt bei der Kakteenzucht.

Geduld ist gefragt bei der Kakteenzucht.

Weitere Möglichkeiten, neue Mitglieder aus der Familie der Cactaceae zu erstehen, Pflegetips einzuholen und Erfahrungen auszutauschen bieten zudem die Kakteenfreunde Rosenheim. Jeden Monat treffen sich die „Kakteerianer“ im Happinger Hof; Gann fungierte acht Jahre lang als Kassier der Ortsgruppe, die 1967 gegründet wurde und rund 60 Mitglieder zählt. Darüber hinaus stehen Vortragsabende und Ausflüge auf dem Programm, sowie alle zwei Jahre das traditionelle Grenzlandtreffen.

Hand in Hand mit seinem Faible für die Kakteenzucht geht bei Gann die Begeisterung für Mexiko. Das Land in Mittelamerika gilt gewissermaßen als das Mekka der Kakteenliebhaber. Und dort hat der Rohrdorfer schon mehr als einmal das Angenehme mit dem Angenehmen verbunden, nämlich Urlaub und Hobby.

Für ein wahrhaftig stachliges Teilgebiet der Botanik ist unterdessen seine Frau Barbara zuständig: Sie hegt und pflegt in ihrem Garten mit Hingabe mehr als 300 Rosenstöcke.