Die Qualipaten gehen auch nächstes Jahr in die Schule

Finanzierung steht – Erfolgsquote von 90 % – Dicker Dank an die Sparkassenstiftung

Rosenheim – Ohne seine Qualipatin hätte Florian den qualifizierenden Hauptschulabschluss „nie geschafft“. Selbst bei Wind und Wetter ist er zu ihr geradelt, um mit ihr zu lernen und Bewerbungen zu schreiben – insgesamt 37. Inzwischen macht er eine Ausbildung in seinem Traumberuf Systemgastronom, hat seine Leidenschaft fürs Fotografieren entdeckt und selbst eine Patenschaft übernommen – für den Bereich Fotografie.

Burnet sprach noch vor wenigen Jahren eher schlecht als recht Deutsch, hatte aber ein klares Berufsziel: etwas im Kfz-Bereich sollte es sein. Eine Lehre als Mechatroniker war angesichts der Noten aussichtslos; bei einem zusätzlichen Praktikum aber erkannte der dortige Ausbilder die Stärken des Schülers – und wusste um den Qualipaten Manfred Dirrigl als Ansprechpartner. Nun steht der 20jährige dank der fünfjährigen Unterstützung seines Mentors kurz vor der Abschlussprüfung zum Mechaniker für Karosserie-Instandhaltungstechnik – und sein Chef will ihn auf jeden Fall übernehmen.

Eda stand in Mathe auf einer Fünf, durchlebte mit ihrer Qualipatin alle Höhen und Tiefen, blieb aber bei der Stange, arbeitete sich mit Nachhilfestunden an der Volkshochschule auf eine 3 in Mathe hoch, schaffte den Quali mit einem Schnitt von 2,7 und steht am Beginn ihrer Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten.

Ein besonderes Dankeschön beim Sommerfest der „Pro Arbeit“-Qualipaten galt der Sparkassenstiftung „Zukunft für die Stadt Rosenheim,“ die das Projekt finanziell auf den Weg gebracht hat. Die Collage, die Vereinsvorsitzende Inge Ilgenfritz dem stellvertretenden Stiftungsvorsitzenden Alfons Maierthaler (links) und dem geschäftsführenden Vorstandsmitglied Martin Schwegler überreichte, veranschaulicht die zahlreichen Facetten der Vereinsaktivitäten.

Ein besonderes Dankeschön beim Sommerfest der „Pro Arbeit“-Qualipaten galt der Sparkassenstiftung „Zukunft für die Stadt Rosenheim,“ die das Projekt finanziell auf den Weg gebracht hat. Die Collage, die Vereinsvorsitzende Inge Ilgenfritz dem stellvertretenden Stiftungsvorsitzenden Alfons Maierthaler (links) und dem geschäftsführenden Vorstandsmitglied Martin Schwegler überreichte, veranschaulicht die zahlreichen Facetten der Vereinsaktivitäten.

Es sind Erfolgsgeschichten wie diese, welche die Bedeutung des Qualipaten-Projekts an den vier Rosenheimer Mittelschulen greifbar machen. Nicht von ungefähr würdigte daher Zweiter Bürgermeister Anton Heindl beim Sommerfest am Happingerausee das ehrenamtliche Engagement der Paten als eine „segensreiche Einrichtung“ und zollte zugleich dem Trägerverein „Pro Arbeit“ als „Leuchtturm im sozialen Gefüge unserer Stadt“ seinen Respekt.

Ohne die Sparkassenstiftung „Zukunft für die Stadt Rosenheim“ – gewissermaßen den „Paten des Patenprojekts“ – hätte sich das Programm in dieser Form jedoch nicht entwickeln können, ist Inge Ilgenfritz, die Vorsitzende des Vereins „Pro Arbeit“, überzeugt. Nach drei Jahren ist nun die Anschubfinanzierung ausgelaufen; doch dank der Stadt Rosenheim, des Jobcenters und der Agentur für Arbeit geht das Projekt im nächsten Schuljahr weiter.

Dabei ist es zunächst ein Experiment gewesen, das die Sparkassenstiftung mit „einem gewaltigen finanziellen Einsatz“ auf den Weg gebracht hat, erinnerte Sparkassen-Chef Alfons Maierthaler vor rund 80 Festgästen an die Anfänge des Patenprojekts vor knapp drei Jahren. Inzwischen seien an die 150 Schüler aus 15 Nationen sowie 75 Ehrenamtliche auf das Tandem aufgesprungen, das sinnbildlich für die Pate /Patling-Paare steht. Wobei die Erfolgsquote – rund 90 Prozent der 63 Schulabgänger aus diesem Zeitraum stehen im Berufsleben – von einer „gigantischen Leistung“ zeuge.

Immer wieder erwiesen sich die Paten als Türöffner bei den Betrieben in der Region und ermöglichten so, dass der Weg der Jugendlichen über den Schulabschluss in eine passende Ausbildung führe. Aber auch für die Zukunft sicherte Maierthaler Unterstützung zu, wenn es darum gehe, das nunmehr etablierte Basismodell mit der notwendigen Zusatzausstattung auszurüsten.

Nicht mehr wegzudenken“ sind die Qualipaten als wichtiges Bindeglied zwischen Jugendlichen, Elternhaus und Schule auch für Jürgen Heiß, den Leiter der Mittelschule am Luitpoldpark und kommissarischen Rektor in Westerndorf St. Peter. Diese individuelle Hilfestellung für Schüler, die nicht unbedingt auf der Sonnenseite stehen, könnten Lehrer gar nicht leisten.

Jeder Fall ist ein Einzelfall“, verdeutlichte Sabine Meyer; und das angepeilte Ziel müsse nicht immer Quali heißen. Als Projektkoordinatorin ist sie zudem ständig auf der Suche nach Interessierten, Berufstätigen ebenso wie Ruheständlern, die nochmal zur Schule gehen wollen – als ehrenamtlicher Qualipate. Weitere Informationen über das Projekt gibt’s beim Verein „Pro Arbeit“, oder bei den Qualipaten.