Bürgerinitiative vor dem Aus

Keine Vorstandskandidaten: BI A8 Rohrdorf-Achenmühle befindet demnächst über Auflösung

Achenmühle/ Rohrdorf – Die 2008 gegründete „Bürgerinitiative A8 Rohrdorf – Achenmühle“ steht vor dem Aus. Bei der jüngsten Jahreshauptversammlung fanden sich keine Bewerber für die turnusmäßigen Vorstandswahlen; die alte Führungsmannschaft hatte geschlossen nicht mehr kandidiert. In einer gesonderten Veranstaltung können die Mitglieder demnächst über die Auflösung des Vereins entscheiden.

Bereits in seinem Bericht hatte Vorstand Josef Schmid das Ende zumindest seiner achtjährigen Amtszeit anklingen lassen. Weil Planung des Autobahnausbaus in der Sache seiner Einschätzung nach „wohl zu 99 Prozent gelaufen“ sei, fehlten konkrete Ansatzpunkte, zog Schmid ein nüchternes Resümee aus den vergangenen zwei Jahren: „Als Bürgerinitiative gibt es für uns nicht mehr viel zu machen.“

Schmid: „Relativ substanzloser bericht“

Das Planfeststellungsverfahren für den sechsstreifigen Ausbau der A 8 wurde im Juli 2014 eingeleitet; in diesem Zuge hatte auch die „Bürgerinitiative A8 Rohrdorf- Achenmühle für eine lebenswerte Zukunft in unserer Heimatgemeinde e.V.“ ihre Einwendungen hinsichtlich der geplanten Lärmschutzmaßnahmen und der Trassenführung formuliert. Auskünfte zum Stand der Dinge habe man allerdings auch auf wiederholte Nachfrage bei der Regierung von Oberbayern nicht erhalten. Nur soviel: Die Autobahndirektion Südbayern werde dazu Stellung nehmen und irgendwann werde es schon weitergehen. Entsprechend „substanzlos“, wie Schmid selbst es ausdrückte, fiel sein Bericht vor den gut zwei Dutzend Zuhörern im Dorfhaus Achenmühle aus. So konnte er etwa keinerlei Details zu der geplanten 800 Meter langen Lärmschutzwand liefern. Und auch die vom Ausbau betroffenen Grundstückseigentümer hingen seither in der Luft.

Ob man im Verlauf des eineinhalbjährigen Planungsdialogs letztlich das Optimum für Achenmühle herausholen konnte, bezweifelt auch Rohrdorfs Bürgermeister Christian Praxl. Denn zu seiner Enttäuschung seien viele gute Vorschläge aus Kostengründen verworfen beziehungsweise gar nicht erst in die Planung aufgenommen worden. Dennoch, betonte der Gemeindechef in seinem Grußwort, sei das intensive Engagement der Bürgerinitiative in den stundenlangen und teils recht zähen Gesprächen im Zuge des Planungsdialogs von wesentlicher Bedeutung gewesen.

Erörterungstermin für Anfang 2017 vorgesehen

Der Erörterungstermin für den Ausbauabschnitt zwischen Rosenheim und Achenmühle habe die Autobahndirektion Südbayern angesichts der zahlreichen Einwendungen erst fürs erste Quartal des kommenden Jahres in Auge gefasst, informierte der Bürgermeister die Versammlung. Er berief sich dabei auf eine Email der Behörde an die CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig.

Bürgerinitiative ohne gewählten vorstand

Der Tagesordnungspunkt Vorstandswahlen markierte schließlich gewissermaßen den Auftakt zum Auflösungsprozess der Bürgerinitiative: Weder Josef Schmid noch Bernd Wohlschlager oder Sebastian Diechler wollten nach acht Jahren noch einmal kandidieren. Ebenso wenig hatte man im Vorfeld der Versammlung eine neue Mannschaft gefunden. Und auch für eine Interimslösung steht Schmid nicht zur Verfügung. Weil aber die Auflösung des 99 Mitglieder starken Vereins nicht auf der Tagesordnung stand, folgten die  Anwesenden ohne Gegenstimme der Anregung aus dem Publikum, möglichst zeitnah eine Mitgliederversammlung eigens zu diesem Punkt einzuberufen anstatt noch am gleichen Abend über die Auflösung zu beschließen.
In der Zwischenzeit gebe es keinen gewählten Vorstand, wie Josef Schmid abschließend erklärte.

pil