Bürgerblock nimmt Schützenheim ins Visier

„Unnötig, nicht nachvollziehbar und viel zu teuer“ – Sondersitzung zum Bürgerbegehren am 13. August

Achenmühle – Ein erlebbarer Dorfplatz mit einem autofreien Kernbereich, einem teilweise freigelegten Bachlauf, Sitzgelegenheiten, einem barrierefreien Zugang zum Dorfhaus, einer Fußwegverbindung zu den südlichen Wohngebieten und geordnet angelegten Parkflächen sowie einer Bedarfsampel über die vielbefahrene Kreisstraße soll die Ortschaft Achenmühle um einiges attraktiver machen. Soweit sind sich die Rohrdorfer Gemeinderäte einig. Ob im Zuge der Umgestaltung des Platzes zwischen Kindergarten und Raiffeisenbank indes ein Gebäude nötig ist, in dem die Schützen nach zwei Jahrzehnten mehr oder minder notdürftiger Unterbringung im Keller des Kindergartens „Zwergerlmühle“ ihr langersehntes Domizil bekommen könnten, darüber herrscht geteilte Meinung im Gremium.

Erwartungsgemäß entzündete sich in der jüngsten Sitzung an eben dieser Frage eine intensive Diskussion, nachdem Architekt und Städteplaner Werner Schmidt die Vorentwürfe für die Umgestaltung des Platzes sowie für den gut 30 Meter langen und 10 Meter breiten Neubau an der Hangseite vorgestellt hatte; ein Beschluss war an dieser Stelle nicht vorgesehen.

Die Schützen brauchen eine neue Heimat

Zum einen benötige der Kindergarten selbst mehr Platz; zum anderen stünde dort mittelfristig eine Generalsanierung an, schilderte Schmidt den Status Quo. „Dann brauchen die Schützen eine neue Heimat.“ Im oberen Geschoss, von der Bucherstraße aus rollstuhlgerecht erreichbar, ist daher eine 10-Meter-Schießanlage mit acht Schießständen vorgesehen sowie getrennte Umkleiden und ein Aufenthaltsraum. Den Begriff „Schützenheim“ auf den Plänen will der Architekt dabei, ungeachtet einer späteren Nutzung, lediglich als Arbeitstitel verstanden wissen.

Im unteren Geschoss könnte eine Eisdiele, ein Tagescafé oder ein Bistro als sogenannter „Frequenzbringer“ Leben auf den Dorfplatz bringen, der bis dato diese Bezeichnung nicht wirklich verdient. Zudem soll dort, neben Lagermöglichkeiten und einem Technikraum eine öffentliche, behindertengerechte WC-Anlage untergebracht werden; auch überdachte Verkaufsstände für die Märkte wären denkbar.

Im Vorfeld ein Bürgerbegehren

Bereits im Vorfeld hatte der Bürgerblock ein Bürgerbegehren gegen den Bau eines Schützenheimes angestoßen; die Gemeinde sei diesbezüglich in Rohrdorf, Thansau, Lauterbach und auch Achenmühle (Kindergarten) bestens aufgestellt, heißt es in der Begründung. Das neue Gebäude – nach Schätzung des Architekten würde es alles in allem rund 1,7 Millionen Euro kosten – hält die Gruppierung für viel zu teuer, für nicht nachvollziehbar und für unnötig; für größere Versammlungen stehe das Dorfhaus zur Verfügung. Und bei einem Leerstand des Cafés kämen weitere Kosten auf die Gemeinde zu, argumentierte Anette Wagner angesichts der Entwürfe.

Im Gegensatz dazu befürworten alle anderen Fraktionen mit Vehemenz den Neubau. Zumal die Schützengesellschaft – zahlreiche Mitglieder waren im Vereins-Shirt zur Sitzung gekommen – fester Bestandteil des Dorflebens sei; 2007 hatte der Verein sein 100jähriges Bestehen gefeiert (Foto oben).

Von „hervorragend“ (Franz Steiner und Markus Unterseher, beide Parteifreier Wählerblock Höhenmoos-Achenmühle) bis „nicht schön, sondern spitze“ (Uwe Hammerschmid, Freie Wählergemeinschaft) reichten die Reaktionen, auf das Gesamtkonzept, das nach Überzeugung von Bürgermeister Christian Praxl (CSU) einen deutlichen Mehrwert für die Ortschaft bringt. Damit, ergänzte Rudi Mayerhofer (SPD), rücke endlich auch die Fußgängerampel über die Kreisstraße in greifbare Nähe, die bislang vom Landratsamt immer abgelehnt worden sei. Seit nunmehr 20 Jahren begleite den Gemeinderat das Thema Dorfplatz, verdeutlichte Joachim Wiesböck, und „diese Lösung ist mit Abstand die beste“.

Zugleich warnte er vor einer Neiddebatte, wie sie Anette Wagner anstoße. Diese hatte mehrfach von Ungerechtigkeit gegenüber den anderen Ortsteilen gesprochen, die Wiesböcks Ansicht nach in den vergangenen Jahren jedoch bestens bedient worden seien.

Auf Ablehnung bis Verständnislosigkeit stießen unterdessen die Vorschläge der Bürgerblock-Vertreter: Martin Fischbacher hatte angeregt, die Achenmühler sollten eines der drei anderen Schützenheime mitbenutzen. Rupert Stocker, der sich außerdem mehr Grün auf dem neuen Platz wünscht, hatte die Sanierung und Erweiterung des bestehenden Schützenstüberls im Kindergarten ins Spiel gebracht.

Sondersitzung am 13. August

Die rund 600 eingereichten Unterschriften für das Bürgerbegehren müssen nun von der Rathausverwaltung geprüft werden. Um die Fristen zu wahren, kommt der Gemeinderat während der Sommerpause am Donnerstag, 13. August, zusammen und entscheidet über die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens.

Bestehen keine rechtlichen Bedenken, muss dann laut Artikel 18 der Gemeindeordnung binnen drei Monaten der Bürgerentscheid durchgeführt werden. Dieser hat die Wirkung eines Beschlusses des Gemeinderats und kann innerhalb eines Jahres nur durch einen neuen Bürgerentscheid abgeändert werden, es sei denn, die Sach- oder Rechtslage hat sich wesentlich geändert.

Die Kosten des Bürgerentscheids trägt die Gemeinde.

pil